Ätherische Öle: vernachlässigte Wundermittel?
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Ätherische Öle: vernachlässigte Wundermittel?

Viele ätherische Öle haben in Studien eine starke antibakterielle Wirksamkeit gezeigt. Sie können Antibiotika zwar nicht ersetzen, aber bei Hautinfektionen, schlecht heilenden Wunden oder fötiden Tumor-Ulzerationen lohnt sich ein Therapieversuch.

Die antimykotischen und antiviralen Eigenschaften ätherischer Öle werden in der Medizin schon länger genutzt – etwa zur Lokaltherapie von Fußpilz oder Lippenherpes. Aber auch die antibakterielle Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Einen besonders ausgeprägten Effekt gegen die Erreger von Haut- und Magen-Darm-Infektionen bescheinigen In-vitro-Studien Gewürznelken- und Zimtöl – gefolgt von Pfefferminz-, Teebaum- und Rosmarinöl. 

Der Wirkmechanismus ist noch nicht lückenlos geklärt, die besten Daten liegen zu E. coli und Staph. aureus vor. Man vermutet, dass die ätherischen Öle gleich mehrere lebenswichtige Strukturen der Bakterien hemmen. Dieser Multi-Target-Effekt scheint die Resistenzbildung deutlich zu erschweren, schreibt Professor Dr. Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg.

Teebaumöl ähnlich wirksam wie Penicillin

Für Teebaumöl ist nachgewiesen, dass es bei E. coli ähnliche morphologische Veränderungen auslöst wie Penicillin. Das ätherische Öl schwächt die Integrität der bakteriellen Zytoplasmamembran und stört Transportproteine, Zellatmung und Energiehaushalt der Darmkeime. Ähnliche Effekte vermuten Forscher auch bei anderen Ölen. 

Selbst im Biofilm sind Bakterien offenbar nicht sicher vor ätherischen Essenzen: Staph. aureus und andere Keime hüllen sich z.B. auf Katheteroberflächen gern in eine Polysaccharidmatrix und trotzen so selbst dem Tausendfachen der sonst wirksamen Antibiotika-Konzentration. Auch dem körpereigenen Immunsystem lassen die versteckten Erreger keine Chance. 1%iges Teebaumöl dagegen vermag einer Studie zufolge 99 % der gepanzerten Staphylokokken innerhalb von 15 Minuten abzutöten. Dabei zeigte sich MRSA ähnlich sensibel wie nicht resistente Stämme... [weiterlesen bei Medical Tribune]